John Williams: Stoner

John Williams - StonerDieses Buch…

…habe ich in einer der Kisten aussortierter Bücher meines Papas gefunden und in einer Leserunde auf buechertreff.de zusammen mit einigen anderen Stück für Stück gelesen.

 

Inhalt
William Stoner wird 1891 als einziger Sohn einer armen Farmerfamilie geboren. Auf Drängen seines Vater zieht Stoner als junger Mann in die Stadt um Angrarwissenschaften zu studieren. Während des Studiums entdeckt er jedoch die Literatur für sich und wechselt alsbald all seine Kurse, um am Ende Professor für eben dieses Studienfach zu werden.
Auf einer Feier lernt er seine zukünftige Frau Edith kennen. Stoner ist sofort hin und weg und nach einigen Treffen hält er um ihre Hand an. Edith nimmt, etwas sachlich, nach Zustimmung ihrer Eltern an, doch schon in den Flitterwochen zeigen sich erste depressive Charakterzüge bei ihr. Dies wird von Tag zu Tag schlimmer, und bis auf ein paar wenige, fast manisch glückliche Wochen zwischendurch verliert sie sich in ihrer Traurigkeit. Zu einer ihrer fröhlichen Zeiten zeugen Edith und William Stoner ein Kind, ein stilles Mädchen mit Namen Grace, welches Stoner auf eine liebevolle Weise großzieht. Bis zu Grace 7. Lebensjahr interessiert sich Edith kaum für das Kind, und ist mit dessen Anwesenheit überfordert, doch ab dann beginnt ihr Feldzug gegen Stoner, in dem sie ihm das Mädchen entfremdet. Stoner, der kaum damit umzugehen weiß, stürzt sich in Arbeit und freut sich über jeden Augenblick, in dem sein kleines Mädchen ihn heimlich, wenn Edith nicht hinschaut, anlächelt.

 

Meine Meinung

William Stoner, ist eigentlich ein ziemlich durchschnittlicher Mensch. Er studiert, verliebt sich, heiratet, zeugt ein Kind und wird Professor – man könnte glatt meinen, sein Leben verlaufe wie das vieler Personen und sei es nicht wert, ein Buch darüber zu schreiben, außer vielleicht aus dem Grund, dass ihm überdurchschnittlich viel schlechtes im Leben passiert ist.
Aber so ist es nicht! John Williams hat mit diesem Buch ein sehr ehrliches Buch geschaffen, das Stoners ruhigen, harmoniebedürftigen Charakter auf eine ganz eigene Weise in Geschichten einpflicht, bei denen mir teilweise der Mund offen stehen blieb. Die Sprache ist klar und nicht allzu dramatisch, dennoch entstand beim Lesen ein Sog, der mich alles um mich herum vergessen und in Stoners Gedanken eintauchen ließ.
Seine Frau Edith ist eine unerträgliche Frau, doch Stoner gibt die Hoffnung nicht auf, dass in ihr die Frau stecken könnte, die er einst glaubte geheiratet zu haben. In der Universität trifft er immer wieder auf Menschen, die ihm Steine in den Weg legen, Stoner aber scheint das alles kaum aus der Fassung zu bringen, so lange er seiner Leidenschaft für Literatur nachgehen kann, in der er richtig aufgeht. Er nimmt die Dinge hin, wie sie sind, versucht sich der Situation anzupassen und reagiert somit vor allem zu Beginn des Buches meist passiv.

Trotz seiner Hilflosigkeit ist er ein Charakter, den ich schon bald ins Herz schloss. Ich hatte das Gefühl, alles mit ihm durchstehen zu müssen und so litt ich mit ihm, und freute mich noch mehr, wenn er einmal glücklich war.
Die Stimmung in Stoner ist eher düster und ich hatte oft ein mulmiges Gefühl im Bauch. Jeder glückliche Moment Stoners ließ eine nahende negative Veränderung erahnen, denn dem Leser wird bald klar: Stoner darf wohl einfach nicht glücklich sein. Dennoch war es nicht so aussichtlos, dass ich das Buch gleich zur Seite legen wollte. Eher gehörte es einfach zur Atmosphäre des Buches, als sei dieses etwas grau eingefärbt, wie es bei einigen Filmen der Fall ist.

Ich könnte noch einige Seiten mehr zu „Stoner“ schreiben, denn es ist ein Buch, dass sich nachhaltig in meinem Kopf festgesetzt hat. Ich mache mir Gedanken um die Charaktere, den Autoren, um das, was das Buch mir eigentlich vermitteln will, und ich mache es gerne. Und das ist für mich genau das, was ein richtig gutes Buch ausmacht. So gibt es von mir: 4,5 Sterne.

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2 Kommentare

  1. Schöne Rezension, auch deine Beschreibung, dass alles irgendwie grau eingefärbt ist, trift es sehr gut. Das Buch ist definitiv einer der Romane, die mich im vergangenen Jahr am stärksten beeindruckt haben. Will unbedingt mehr von Williams lesen – Butcher’s Crossing erschien ja gerade auf deutsch…

    1. Butcher’s Crossing habe ich hier auch seit der Leipziger Buchmesse liegen und werde es hoffentlich bald lesen. Stoner verspricht ja weitere gute Werke!

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